Brigitte Storch (geb. 1946) ist eine Künstlerin der Kunstszene Fürstenfeldbruck. Die Malerin und Bildhauerin hat in zwanzigjähriger Arbeit ein umfangreiches Oeuvre in sorgfältigster technischer Ausführung und von reicher Erfindungskraft geschaffen. Holz- und Steinskulpturen stehen neben Bildern und Bildobjekten. Ihnen allen ist eines gemeinsam: sie machen das geheime Leben der Dinge sichtbar.

 

Großformatige Bilder zeigen ganz nahsichtig nichts als Bohnen (Feuerbohnen, Acryl, 2000; Schwarzaugen, Acryl, 2000; Bohnensorten, Eitempera, Serie, 2000; Wachteleibohnen, Acryl, 2001; Schwarze Bohnen, Acryl, 2001). Braun, weiß, rot, schwarz gefleckt, haben sie eine Schale, die aussieht wie die Erde von oben betrachtet. Sie schwellen an, sind rund und prall oder trocken und verschrumpelt. Hyperrealistisch gemalt ist jede von ihnen ein Unikat. Sie erzählen die unendliche Geschichte von der Vielfalt der Formen und Farben in der Natur, welche die kleinsten Dinge in sich bergen.

 

Blumen aus der Perspektive eines Insektes gesehen, erscheinen in einer Weise wie wir sie noch nie gesehen haben (Blauer Mohn, Serie, Öl auf Leinwand, 2002; Seerosen, Öl auf Leinwand, Serie, 2001). Ganz nah sind sie Wunderwerke aus leuchtender Farbe. Die Linien des zarten Gewebes ihrer elegant geschwungenen Blütenblätter ziehen uns in die Tiefen ihres Kelches. Brigitte Storch enthüllt ihre verführerische Schönheit und wir haben das Gefühl sie riechen zu können. Wie langweilig und konventionell können Blumenbilder sein. An ihnen zeigt sich die Qualität eines Malers. Brigitte Storch hat keine Blumenvasen mit kunstvoll arrangierten Sträußen gemalt, sondern sie thematisiert die Fragilität der Blüten durch das Brennglas des Bildquadrats gesehen – manchmal nicht größer als eine Badfliese.

 

Ihren neuen Blick auf das Blumenstilleben überträgt Brigitte Storch auch auf das Obststilleben. Einen wichtigen Komplex bilden die insgesamt fast 200 Zitronen-Bilder. Sie zeigen kleinste Ausschnitte und übergroße Darstellungen der prallen saftigen Frucht. Später erscheinen die Zitronen ganz zurückgenommen im Ambiente von Wohnräumen. Surreal blitzen sie zwischen Dielen hervor oder liegen auf einem Bett. Ihre Farbigkeit ist altmeisterlich fahl, zeigt die poröse Haut, leuchtet sonnig, aber verwandelt sich auch, in den lockeren Guachen, in ein schnell hinskizziertes Grün oder Blau (Zitronenvariationen 1 – 156, Acryl, Eitempera und Guachen, 1996 – 1998).

 

Gute Malerinnen haben in den vergangenen Jahrhunderten nicht selbstverständlich Karriere gemacht. Im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen sind auch heute ihre Namen rar. Haushalt, Kinder und die vielen Verpflichtungen als Ehegattinen stehen – das wissen wir seit langem - höher als der eigene Ruhm.

 

Die Künstlerin Brigitte Storch gehört der Nachkriegsgeneration an. Als sie sich nach ihrer Heirat, 1971, nahe bei München niederließ, waren die Jahre des Wirtschaftswunders in Deutschland gerade angebrochen. 1984 war die Euphorie vorbei, die fetten Jahre neigten sich ihrem Ende entgegen. Damals, als Beuys schon in aller Munde war, konnte Brigitte Storch endlich ihre Familie sich selbst überlassen und ihr Talent entfalten.

Die fast Vierzigjährige holte nun in eigener Initiative nach, von dem inneren Drang zum schöpferischen Tun getragen, was jungen Künstlern als Ausbildungsmöglichkeit bereitgestellt wird.

 

Bis heute blieben ihr private Lehrer selbstgewählte Wegbegleiter. Darunter Franz Srownal, Prof. Wolfgang Ellenrieder, Christoph Kern und Alto Hien.

Neben den seit 1986 regelmäßigen Ausstellungsbeteiligungen mit Bildern und Objekten der Bildhauerin und Malerin, rief Brigitte Storch einige ungwöhnliche Kunstprojekte ins Leben. 1995 gründete sie als engagierte Künstlerin der Land-Art in Germering eine “Erdgruppe”. Mit Erde malen heißt ein Gegengewicht zu unserer technisch genormten Welt zu schaffen. Den Anstoß gaben die Erdfarben der traditionellen afrikanischen Kunst. Die Lebendigkeit natürlichen Materials, von verschiedenen Hölzern bis zu großen Flußkieseln inspirierte die Künstlerin zu einer Welt magischer Objekte.

Holz- und Steinskulpturen bevölkern unseren profanen Alltag gleich guten Erdgeistern. Große und kleine Figuren, aus den verschiedensten Materialien zusammengesetzt, verkörpern die Mächte jenseits unserer Verstandeswelt. Uralte magische Praktiken archaischer Religiosität finden in ihnen einen neuen Ausdruck (Sieben Stelen zur Einheit von Natur, Kultur und Leben. Altes Holz, Bienenwachs, Fundsteine, 1993). Brigitte Storchs riesige Spirale aus 20 Tonnen Dolomitgestein (1997) könnte ein zweites Stonehenge sein oder ein Zeichen aus dem Alphabeth des Kosmos.

 

In den phantasievollen Anordnungen ihrer Bilder und Bildobjekte voller Harmonie und Ästhetik können wir sehen, was wir sonst nur spüren: daß die Schöpfung ein Wunderwerk voller Abenteuer und Schönheit ist – man muß sie nur erkennen.

 

Dr. Bettina Best

Kunsthistorikerin Verlagsfachwirtin

 

 

 

 

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© Brigitte Storch 2016